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Noch die Fliege richten und dem überwältigenden Bastard im Spiegel zuzwinkern. Dann die Jacke über die Schultern und mit einem überzeugenden Schmunzeln vor die Löwen. Das war alles eine Show, ein Akt auf der Bühne und alles was sich unterschied war, dass alle mitspielten. Ob sie jetzt nun wollten oder - nicht. Sein Kopf drehte sich minimal zur Seite und er lauschte über seine Schulter hinweg den Geräuschen aus dem Nebenraum. Aneinandergeratene Champagnergläser klirrten und spritzen. Dunkle, kehlige Stimmen lachten angeregt über ungehörte Witze, über Schabernack und verschwendeten Alkohol - oder durch verschwendeten Alkohol, aber wer wollte da schon kleinlich sein? Die hohen Herren soffen aus ebenso hohen Kristallgläsern wie die Kommunisten in Fleatown aus verrosteten Kelchen, fluchten wie die grummeligen Seemänner am Dryland Dock und gebarten sich...nun eigentlich gebarten sie sich ganz vorzüglich! "Geschmack ist eine Kunst für sich nicht wahr?", Nicolas lachte erhaben und schaute amüsiert zu seinem Partner, der ihn nur wütend angrummelte, was Nicolas selbst aber nicht besonders interessierte. Der Gute hatte ein paar Probleme, die er aussitzen musste und er war niemand, der sich in solch delikate, private Momente hereindrängte. Seine Finger gingen wieder an seinen Hals und er band die braungraue Fliege stramm. Dann faltete er den Hemdkragen zurück und überprüfte alles noch mal, indem er seinen Kopf erst nach links und dann nach rechts drehte. "Wundervoll. Ich sollte Kurse anbieten, aber Kunst ist keine Kunst mehr, wenn jeder wüsste wie es geht. Stimmst du da nicht zu?", flötete er entzückt und ernte ein weiteres Grunzen seines tapferen Kameraden "Ja ich dachte mir schon, dass es dir auch gefällt. Mit Recht, mein Teuerster, mit Recht". Nicolas nahm die Weste von der Stuhllehne und warf sie sich über, bevor er die von Hand gepfeilten bleichen Knochenknöpfe in die delikaten Ösen dirigierte. Das Brokat aus goldenen Ranken und bräunlichem Untergrund war nicht echt, aber ein handwerkliches Meisterstück konnte Nicolas immer zu schätzen wissen. Kleine Anhänger aus Stahl und Holz und Knochen, geformt wie Gesichter von etlichen Tieren, klackerten ein wenig an seinem Arm, als er den Ärmel des Hemdes darüber rollte und an seinem Handgelenk zuknöpfte. Die Stimmen im Nebenraum wurden eindeutig unruhiger und lauter. Sie waren bereit für die Sensation des Abends, den Moment auf den sie alle hingehofft hatten. Ihn - wenn man es übersimplifiziert ausdrückte. "Nun...Ich denke es wird Zeit für meinen Auftritt", erwähnte Nicolas nebensächlich und liebäugelte seinem Selbst im Spiegel noch einmal. Er zog ein dünnes Jackett über und mit einem prüfenden Blick in die hasserfüllten, kleinen Äuglein seines liebsten Kumpanen, hob er Mittel- und Zeigefinger vor sein Gesicht. Kleien Augen leuchteten überall auf seinem linken Arm auf, stark genug um durch den Stoff zu scheinen und mit ein-zwei kleinen Bewegungen brannten die Enden seines Schauzbartes auf eine Länge herab, die mehr zu dem seines Partners passten. Er breitete die Arme flamboyant aus und lächelte süffisant gen des Mannes "MANN muss ja die Form wahren, nicht?". Nicolas richtete das Jackett und ging auf den Stern seines Lebens zu und hockte sich wie eine Eule vor ihn. Er klopfte dem Mann auf die Stricke, die über seine Schultern zu den auf dem Rücken verbundenen Armen liefen und sich dann um seine nackte Brust schlangen "Oh und noch mal danke für die Kleidung. Appreciate it!". Nicolas klopfte dem Mann gegen die Backe und genoss den Gedanken, dass er ihn angespuckt hätte, wenn er nur keinen Knebel im Mund hätte.Dann bewegte er sich zur Tür und stieß sie auf. Licht drängte seinen Auftritt in angemessene Aufmerksamkeit und Nicolas konnte sich ein weiteres Grinsen einfach nicht verkneifen.

Während der Moderator sich durch die kleinen Pfade zwischen den reich gedeckten Tischen hindurchwindete, war die Zusammenkunft längst auf eine Lautstärke gestiegen, die der Heiterkeit in Nichts nachstand. Eine wässrige Perle tanzte auf der Oberlippe des rotbäckigen Gesichtes von Sir Walrossbart, der eigentlich Michael Nelson hieß und den wegen seiner offensichtlichen Extravaganzen trotzdem Niemand beim echten Namen nannte. Er klopfte mit feisten Fäusten auf seine Oberschenkel, reagierte auf einen verklungenen Witz seines spindeldürren, eingefallen wirkenden Begleiters. Mittig saß Lord Edward, dessen Bauch vor Lachen bebte und sich mehr und mehr über die Kanten seines Stuhles weitete, während die gealterte Frau mit der Hand auf seinem Arm und den Brüsten im ausladenen Dekolleté affektiert mitlachte. Ihre Turmfrisur wurde nur noch von den Haaren des Fräuleins Bourbon übertrumpft, die himmelblaue Blumenkronen in die schwarzbraune Pracht hatte fädeln lassen. Ihr schneeweiß gepudertes Gesicht gab keine Regung preis, aber Nicolas würde ohnehin bezweifeln, dass ihr Korsett ihr die nötige Kraft ließ um sich an etwas Unerhörtem wie einem Lächeln zu wagen. Mehr noch wurde es dadurch amüsant, dass ihre zwei Schmeichler diesen Umstand wissend in Kauf nahmen und - gemessen an ihrem Gackern und Fauchen - Witz um Witz, Schmeichelei um Schmeichelei preisgaben, um dem kleinen Fräulein ein Faux-Pas zu entlocken. Die jungen Herren ergaben sich in feiner Garderobe dem schmeichelnden Champagner und dem belanglosen Gespräch mit ihren Gleichgestellten, alles in einer Atmosphäre von Luxus und Herrlichkeit und... "Meine Herren, meine Herren", Nicolas klopfte mit einem kleinen silbernen Teelöffelchen gegen ein Trompetenglas und löste die Aufmerksamkeit von den Gruppengesprächen auf seine Ankündigung. Der Lärm flaute Stück für Stück ab als Köpfe sich zur neuen Lärmquelle drehten. Einzelnes Gezwitscher drang noch von einsamen Tischen, aber der Rest der gleichgültigen Blicke war auf ihn gerichtet „Stellen sie sich vor“, begann Nicolas und breitete die Arme theatralisch aus „April 1915 auf offener See. Die kühle luft umspielt die riesigen Zinnen ihres Kreuzfahrtschiffes. Die Welt hat nie ein majestätischeres Schiff – und wohlgeborenere Passagiere – gesehen.“. Er zwinkerte einer Dame zu und sie fühlte sich von seinen Worten offenbar furchtbar geschmeichelt. Zufriedene Gesichter bestätigten sein Bild von den Versammelten. „Der Kapitän steht ruhig und stramm auf seiner Brücke, ein alter Admiral stellt sich der Flut immer sehenden Auges! Aber im Bauch des Schiffes unter schwingenden Lichtern ruhen fein gearbeitete Instrumente in den Händen ihrer Meister. Sie warten. Warten bis die Gäste ihren Platz im Saal gefunden haben. Der Dirigent erhebt sich“. Nicolas wedelte mit der Hand und verbeugte sich leicht „Eine kleine Verbeugung, dann dreht er sich zu jenen, mit denen er schon so lange spielt. Es war eine Ehre mit ihnen gespielt zu haben und...dann ein letztes Lied“. Ohne das Wissen der Anwesenden leuchteten unter dem dicken Stoff seines Jackettärmels dutzende kleine Augenpaare auf. Ein Püppchen verbrannte zu Asche, die sich schmerzhaft auf seine Haut legte. Zur freudigen Überraschung der Anwesenden begannen traurige Geigenklänge aus seiner Richtung zu erklingen. Einige Köpfe wendeten sich zu ihren Partnern, ein Oh! ertönte leise irgendwo im Raum. Die Aufregung der Anwesenden stieg deutlich an. „Meine Herren, wir sind im Jahre 1915. Dieser April wird ihr letzter April sein, denn die Wassermassen werden, in dieser Nacht, die Titantic in ihren Schoß holen. Solche Tragik auf dem Höhepunkt der Technik! Sagt doch Darwin, dass der Affe aus dem Meer kam und jetzt endet so wertvolles und so viel davon dort." Vereinzeltes Gelächter und Gekicher ertönte, aber gerade die Älteren schauten weiter gespannt nach vorne, lauschten dem Geigenklang in der Luft. Dafür waren sie schließlich gekommen. "Aber was unterscheidet den Gentleman vom Arbeiter? Den Offizier vom Seemann? Ein Herr entscheidet, ein Sklave gehorcht". Malinbroke nickte unbewusst, seine Brust streckte sich unmerklich. Nicolas derweil, schweifte mit seinem Blick über die Menge und lenkte dann galant die Aufmerksamkeit auf ein kleines Tischlein neben ihm und dem roten Samttuch darauf, dass markant in der Luft hing, gestützt durch was auch immer es verbarg. "Meine Herren, meine Herren! Einmal mehr auf diesem ehrwürdigen Treffen, diesem Happening der High-Society, versammeln sich die rechtmäßigen, gnäd'gen Spender dieser Stadt. Was wären diese Straßen nur ohne ihre Großzügigkeit, durch ihre wohlgemeinte, gerechte Führung?" Stummer Zuspruch, kaum verhohlene Zufriedenheit mit sich selbst in den Gesichtern. Nicolas fühlte sich an seine Heimat erinnert und lächelte einen Tacken zu boshaft, aber wenn die Versammelten es überhaupt erkannten, was bei der Ansammlung von selbstgerechten, aufgeblasenen Egomanen kaum eine Gefahr war, fühlten sie sich dadurch wohlmöglich noch bestätigt. Nicolas griff unter den Samt und legte seien Finger auf den Rand eines hochgezogenen Gefäßes. Er streckte den Arm ein wenig und bevor irgendwer das kleine platschende Geräusch hören konnte, sprach er bereits lautstark weiter "SIe haben gewählt, meine Herren! Genießen sie das kommende Ende." Er hob den Kelch und zog gleichzeitig sanft das Tuch herunter. Ein silberner Kelch mit Schierlingmuster aus Gold kam zum Vorschein. "Das Schauspiel neigt sich dem Finale, meine Herren". Nicolas machte zwei lautlose Schritte auf Lord Malinbroke zu, dessen tiefhöhlige Augen gebannt auf den Kelch schauten. Als der Kelch vor ihm schwebte, senkte sich sein Blick und schaute streng in die Augen des jüngeren Mannes. Überlegenheit strahlte aus seinen Pupillen, sein ganzer Körper, obwohl von Dekadenz gezeichnet, kannte noch immer die alten, militärischen Geflogenheiten. Nicolas schaute starr zurück und dann, nach eienr Weile, zeigte er grinsend die rechte Seite seiner weißen Zähne "Ein Herr entscheidet, ein Sklave gehorcht". Der alte Adlige wartete zwei Sekunden, starrte Nicolas nieder bis dieser den Blick abwendete und nahm dann mit zufriedenem Brummen den Becher an sich. Er hob ihn hoch und drehte sich auf seinem Stuhl, damit jeder ihn sehen konnte. Ein Goldring mit Aquamarin in der Fassung blizte auf. Seine gröhlende, dunkle Stimme erschallte ehrerbietend im Raum "Ein Herr entscheidet, ein Sklave gehorcht!".. EInige andere Gäste stimmten mit ein und klatschten verhalten als Malinbroke einen tiefen Schluck nahm. Dann wischte er sich den Mund mit einem kräftigen Wischer ab und reichte den Kelch weiter, verfolgt vom gespannten Blick Nicolas', der zum ersten Mal an diesem Tag deutliche Aufregung in seiner Magengegend spürte. SO viel, dass ihm die rothaarige Frau nicht auffiel, die sich in dem Moment stumm durch eine Tür in den Raum stahl und an eine Wand gepresst dem Schauspiel zuschaute.

Nicolas war ein angenehm aussehender Mensch. Der Backenbart rahmte die weichen Züge seines Gesichtes gut ein, seine Augen waren runde, aufgeweckte Kugeln über einer breiten, mittigliegenden Nase. Tatsächlich wirkten seine Gesichtshälften so perfekt synchron, dass sein andauerndes halbseitiges Grinsen das Bild von Perfektion nahezu jedes Mal konterkarierte. Er war gut gebaut, wenn auch vielleicht etwas schmalschultrig, aber sicher nicht unathletisch. "Oh Schatz, du hast sicher nicht die Voraussetzungen um so ein ordentliches Korsett auszufüllen". Außerdem war er ein Arschloch. "Halt die Fresse, Nico!", paffte Abigail wütend zurück und verschränkte die Arme präventiv vor dem Bauch. Nicolas grinste sein schiefes Lächeln und zog einer der leblosen Gestalten einen goldenen Ring vom Finger, bevor er sich durch die Tischreihen zu ihr herüberschlängelte. Nicolas ließ seine Beute in die Tasche gleiten, ganz wie er es mit dem Rest getan hatte und begegnete selbstzufrieden ihren funkelnden Augen "Ich hätte schwören können, dass du deinen Liebreiz heute woanders versprühst. Und doch bist du beim guten Nicolas. Hast du mich etwa vermisst?", zwitscherte er und weitete sein Grinsen aus. Abby hingegen, den Impuls unterdrückend ihm prompt in die selbstgefällige Fresse zu schlagen, ignorierte seine plumpen Versuche sie aufzuregen und kam gleich zum Punkt "Der eigentliche Bote hatte anscheinend einen Unfall, also schickt er mich. Er will, dass wir kommen". Nicolas Grinsen verschwand zusehends und Abby konnte sich einer innerlichen Befriedigung nicht verwehren. Die Beiden schwiegen einige Sekunden bis die Stille peinlich wurde

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